Friday, 17. february 2012 5 17 /02 /Feb. /2012 12:11

Die Situation ist wesentlich einfacher zu handhaben, wenn die Kurse bereits anfangen zu reagieren, bevor die Position deutlich im Gewinn war. Dann sollte der ursprüngliche, charttechnische Stop Loss einfach erst mal weiter beibehalten werden, denn das Szenario braucht noch Raum zur Entwicklung. Im vorliegenden Fall ist jedoch schon die erste Zielzone so gut wie erreicht worden und eine ordentliche Auszahlung steht zum buchen bereit. Was also ist jetzt im EUR/USD Shorttrade zu tun, wenn ein Trader auf ZZ II wetten will?

EUR/USD Spot Monthly

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Ich persönlich frage mich in solch einer Situation als erstes, wo die charttechnisch akzeptablen Marken liegen, um den Trade abzusichern. Passen diese mit risikotechnischen Überlegungen einigermaßen zusammen, ist es einfach und ich stoppe hier. Im konkreten Fall des Euro Shorttrades ist momentan die charttechnisch einzig relevante Zone über dem Mai'11 Hoch, wo die Position bereits abgesichert ist. Läuft es schlecht, realisiere ich aber immer noch einen signifikanten Verlust, obwohl die Wette schon mehr als 2,5:1 im Gewinn stand. Ich riskiere somit sämtliche Gewinne plus in etwa die Hälfte des urpsrünglichen Risikos. Das heisst: 2400 Pips für weitere 1000 (blauber Balken) - ungünstiges Verhältnis, selbst wenn ich in zehn Versuchen fünf mal an der ZZ II doch noch einen Fill bekomme, ohne vorher ausgestoppt zu werden. Wenn ich also definitiv weiss, meine Position wird bei Zielzone II aus dem Markt genommen, ist diese Exitvariante nicht surpreme.

Ein Trader muss zumindest versuchen, ein Verhältnis Gewinn/Verlust von 1:1 anzusteuern, besser 1:1,x. Vom mathematischen Standpunkt  aus, würde sich somit der Bereich um die 135,50 (oberhalb des Dez Hochs) als Stopkurs anbieten. Erfahrene Marktbeobachter wissen allerdings auch, dass sich die Märkte allzuoft in Schwüngen aus Impuls und Reaktion bewegen. Der rein mathematisch basierte Stop Loss nimmt darauf keinerlei Rücksicht. Bei einer ausgeprägteren Gegenreaktion der Kurse wäre der Trade schachmatt gesetzt. Es würde allerdings auch ein immer noch signifikanter Kursvorteil versilbert werden.

Es besteht auch noch die Möglichkeit, einen aggressiven, charttechnischen Gewinnsicherungsstop umzusetzen. Dieser müsste über dem letzten Monatshoch im Markt liegen, und wäre jetzt bereits ausgelöst worden. Für diese TM Variante spricht die mathematisch solide Grundlage (Risiko zur verbleibenden Kurschance ist im Bruchteilbereich) in Verbindung mit einem markanten Preislevel (Vormonatshoch muss gebrochen werden). Will der Trader nur den laufenden Kursschwung ausnutzen, also den idealen Tradeverlauf, ist diese Stopvariante erste Wahl. Das bietet sich grade dann an, wenn der Trade u.U. mit  - in Relation zum betrachteten Zeitrahmen - engem ISL auf intradaybasis eröffnet werden konnte und danach in eine längerfristige Position umgewandelt wurde - der Payout aufs Risiko also bereits dufte daherkommt ( über Sinn und Unsinn dieser Taktik scheiden sich die Geister - aber tut jetzt nichts zur Sache). Ist die Zielzone hingegen nicht in Reichweite, oder haben die Kurse noch nicht stark in die favorisierte Richtung beschleunigt und läuft der Markt in einem eher mäßig volatilen Umfeld, ist solch eine aggressive Gewinnsicherung unvorteilhaft 

Der im unten stehenden Chart ebenfalls eingezeichnete "Kompromiss Stop Loss" oberhalb der 1,40er Marke, ist deshalb so bezeichnet worden, weil diese TM Variante tatsächlich versucht, einen Kompromiss herzustellen. Einen Kompromiß nämlich, zwischen Laufverhalten des Marktes und der mathematischen Komponente des Trademanagements. Dieser SL sichert nach einer vorteilhaften Preisbewegung einen Teil dieses Kursvorteils ab, damit nicht extrem viel angelaufener Gewinn für relativ wenig zusätzliches Gewinnpotential im Risiko bleibt. Jedoch haben Kompromiße nicht nur Vorteile. Die zwei hier klar ersichtlichen Nachteile sind leicht ausgemacht: das nicht optimale Risk to Reward Verhältnis - welches durch das eher verhaltene Nachziehen des Stops erzeugt wird, sowie das charttechn. wenig relevante Preislevel, auf welchem dieser Stop platziert werden müsste.

Den ersten Nachteil kann ein Trader langfristig dadurch kompensieren bzw zumindest abschwächen, wenn er beim Anlaufen der urpsrünglich antizipierten Target Area nicht sofort Gewinne mitnimmt, sondern dem Trade etwas Raum und Zeit gibt eventuell doch noch einen Kursbonus obendrauf zu setzen. In erster Linie dann, wenn der SL chartteschnich gut gesetzt und trotzdem wenig riskiert werden kann, bietet sich das Pokern an. Nachteil zwei ist nicht kompensierbar. Der Trader läuft bei dieser TM Variante immer Gefahr, aus einer Bewegung zu fliegen, noch bevor das Gesamtszenario über die Wupper geht. In diesem - gerade aus mentaler Sicht - üblen Fall, hat der Trader dann recht viel Gewinne hergegeben, bekommt im Gegegnzug dafür aber keine Belohnung, und muss nicht selten auch noch dabei zusehen, dass sein antizipiertes Tradesetup letztlich doch noch aufgeht - nur leider ist die Kursbewegung nicht optimal verlaufen und hat seine Position vorher rausgekegelt.  

Wie an den Ausführungen oben erkennbar wird, gibt es Situationen beim Trading, in denen es sich nicht so einfach gestaltet das optimale Trademangement für eine Position zu finden. Jede Möglichkeit hat vor und Nachteile und es ist schwer einzuschätzen, welche Strategie langfristig den besten Erwartungswert liefert. Für mich selbst entscheide ich in solchen Fällen auch mit nach mentalen Gesichtspunkten. Wer den Coin Flip Test beobachtet hat, konnte das live miterleben.

Fazit: Ein Trader kann und wird nicht immer die optimalen Entscheidungen treffen können. Viel wichtiger ist, dass er keine groben Fehler begeht. So ein grober Fehler findet zB dann statt, wenn der Trader die Position viel zu früh am Einstandskurs absichert, nur weil er sich damit besser fühlt. Demgegenüber steht am anderen Ende des Fehlerspektrums eine viel zu lasch durchgeführte Gewinnabsicherung. Eine solche Situation ergibt sich, wenn die Kurse schon in die anvisierte Take Profit Zone eingelaufen sind. Der Trader dann plötzlich zum Giermonster mutiert und viel mehr Bewegung zu seinen Gunsten sehen möchte. Dadurch bedingt alle Gewinne riskiert, um bei einer weiteren Bewegung sicher dabei sein zu können - und das ganze, obwohl die ursprünglich antizipierte Marktbewegung mittlerweile schon stattgefunden hat.

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Ingmar Folk interessiert sich bereits seit seiner Zeit in der Oberstufe eines Wirtschaftsgymnasiums für die volkswirtschaftichen Zusammenhänge. Das Interesse für die Börse war schon frühzeitig latent vorhanden. Richtig bewußt wurde es dem Autor aber erst, nachdem er im Jahr 1998 mehrere Tagessiege bei der damals erstmals veranstalteten WM-Börse zur Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich einfahren konnte. Seine ersten Echtgeld-"Trades" in Einzelaktien tätigte er aber erst einige Zeit später. Den Entschluß Profitrader zu werden, fällte er im Jahr 2004. Seit dem Jahr 2008 handelt er professionell als selbständiger Trader. Bei seinem Handelsansatz stehen die Eurex-Märkte im Vordergrund - allen voran der Bund-Future.


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